{"id":3729,"date":"2013-12-20T00:00:00","date_gmt":"2013-12-20T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ffl.lu\/2013\/12\/zentralafrikanische-republik-ffl-fairmed-unterstutzen-notleidende-bevolkerung\/"},"modified":"2020-08-03T15:42:46","modified_gmt":"2020-08-03T13:42:46","slug":"zentralafrikanische-republik-ffl-fairmed-unterstutzen-notleidende-bevolkerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ffl.lu\/de\/2013\/12\/zentralafrikanische-republik-ffl-fairmed-unterstutzen-notleidende-bevolkerung\/","title":{"rendered":"RCA : FFL et FAIRMED soutiennent les personnes dans le besoin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Luxemburg, 20.12.2013 \u2013 Das Elend in der Zentralafrikanischen Republik entwickelt sich zu einem Ausnahmezustand. Die Bev\u00f6lkerung des krisengesch\u00fcttelten Landes ist erneut blutigen K\u00e4mpfen verfeindeter Rebellen ausgesetzt. Ein Putsch hatte das Land erst im M\u00e4rz 2013 ins Ungleichgewicht gebracht, als das muslimische Rebellenb\u00fcndnis S\u00e9l\u00e9ka Staatschef Boziz\u00e9 st\u00fcrzte. Rebellenchef Michel Djotodia wurde \u00dcbergangspr\u00e4sident und l\u00f6ste S\u00e9l\u00e9ka auf, die Gewalt h\u00e4lt dennoch bis heute an und eskaliert seit einigen Tagen. Seit 2011 arbeiten die NGOs FAIRMED und FFL gemeinsam an einem Projekt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Ak\u00e1-Pygm\u00e4en in der Zentralafrikanischen Republik. Nun leiten die NGOs gemeinsam ein Nothilfeprojekt ein, um die Gesundheitsversorgung der \u00c4rmsten zu unterst\u00fctzen. Interview mit Thomas Gass, Projektmanager des Schweizer Hilfswerkes FAIRMED:<\/strong><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"336\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.ffl.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Thomas-Gass-Projektmanager-FAIRMED_Quelle-FAIRMED-336x400-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2916\"\/><figcaption>Thomas Gass, Projektmanager des Schweizer Hilfswerkes FAIRMED<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em><strong>FFL : <strong><em>Die FFL unterst\u00fctzt das medizinische Nothilfeprojekt von FAIRMED mit einer Summe von 65.000 Euro. Wie genau wird diese Hilfe aussehen, die in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2014 in der Hauptstadt Bangui sowie in der Pr\u00e4fektur Lobaye auf den Weg gebracht wird?<\/em><\/strong><\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Thomas Gass<\/em> : In der l\u00e4ndlichen Lobaye sind wir schon seit f\u00fcnf Jahren t\u00e4tig, das ist eine Pr\u00e4fektur mit etwa 300.000 Bewohnern im S\u00fcdwesten des Landes. Dort arbeiten wir mit zw\u00f6lf Gesundheitszentren zusammen und zwei Spit\u00e4lern: Die kennen uns, wir kennen sie, wir kennen das Personal, die Einzugsgebiete und auch die Schw\u00e4chen und Bed\u00fcrfnisse der Spit\u00e4ler.<a href=\"https:\/\/www.ffl.lu\/zentralafrikanische-republik-ffl-fairmed-unterstutzen-notleidende-bevolkerung\/thomas-gass-projektmanager-fairmed_quelle-fairmed\/\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Unser Plan sieht vor, Medikamente und medizinische Ausr\u00fcstung zu liefern. Zudem m\u00f6chten wir personelle Engp\u00e4sse \u00fcberbr\u00fccken. Denn in drei von diesen zw\u00f6lf Gesundheitszentren sind die Krankenschwestern gefl\u00fcchtet, daher werden wir dort eine \u00dcbergangsl\u00f6sung finanzieren, damit die Pflegestellen wieder besetzt sind. Unser Plan ist es, dass etwa 10.000 Patienten von unseren Lieferungen profitieren werden. In diesem Falle geh\u00f6ren l\u00e4ndliche Zielgruppen inklusive der Aka-Pygm\u00e4en dazu, die eingeborene indigene Minderheit, die dort im Regenwald lebt. Das andere Gebiet, indem wir aktiv sein werden, sind zwei Quartiere in der Hauptstadt Bangui. Dort werden wir mit drei staatlichen Gesundheitszentren und mit einem Spital zusammenarbeiten und auch mit dem lokalen Roten Kreuz. So werden wir auch dort Medikamente und Ausr\u00fcstungen liefern. Zudem werden wir in der Hauptstadt gemeinsam mit dem Roten Kreuz den Dienst der Ambulanz verst\u00e4rken, um Notf\u00e4lle (Schwangere, Verletzte\u2026) ins Spital \u00fcberwiesen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>Wen trifft diese Krise am h\u00e4rtesten?<\/em><\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande sind die Kinder mal wieder die Verletzlichsten, die es am h\u00e4rtesten trifft. Dazu muss man sagen: Schon vor der Krise haben Studien gezeigt, dass jedes vierte Kind chronisch unterern\u00e4hrt ist und jedes dritte an Wachstumsst\u00f6rungen leidet und somit bleibende Sch\u00e4den von der Unterern\u00e4hrung tr\u00e4gt. Mit der humanit\u00e4ren Krise verschlimmert sich die Not der Kinder. Daher pr\u00fcfen wir aktuell ein Programm, das in beiden Gebieten gemeinsam mit den Spit\u00e4lern und Gesundheitszentren akute und chronische Unterern\u00e4hrung angehen w\u00fcrde. Unser Ziel ist es, diesen Kindern mit therapeutischer Ern\u00e4hrung zu helfen \u2013 konkret handelt es sich dabei um sogenannte \u201ePlumpy\u2019Nut\u201c-Produkte auf der Basis von Erdnussbutter, Milchpulver, Vitaminen und \u00d6l.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>FAIRMED hilft derzeit als einziges Schweizer Hilfswerk direkt vor Ort. Wie ist es um die Sicherheitslage Ihrer Mitarbeiter bestellt?<\/em><\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu unseren Mitarbeitern in der Zentralafrikanischen Republik geh\u00f6ren neun Einheimische und ein Kameruner: Es geht ihnen allen gut und sie sind gut aufgehoben. In den letzten Wochen hat es ja vor allem in Bangui sehr gewaltsame Auseinandersetzungen gegeben \u2013 zu diesen Zeitpunkten sind unsere Mitarbeiter in Bangui zu Hause geblieben, sodass wir die B\u00fcros vor\u00fcbergehend geschlossen haben. Diese Ma\u00dfnahme haben wir auch vor dem Hintergrund getroffen, dass w\u00e4hrend der Unruhen im M\u00e4rz 2013 zwei Projekt-Fahrzeuge gestohlen und das FAIRMED-B\u00fcro gepl\u00fcndert wurde. Auch unsere Mitarbeiter in der Kleinstadt Mbaiki, in der Pr\u00e4fektur Lobaye, haben wir gebeten, ihre Aktivit\u00e4ten in dieser fragilen Zeit auf ein Minimum zu reduzieren. Die letzten Wochen haben uns schon einen Schrecken eingejagt\u2026 wir m\u00fcssen halt die Sicherheit unserer Mitarbeiter in Betracht ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>Die Zentralafrikanische Republik ist eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt \u2013 zudem haben zahlreiche Staatsstreiche in der Vergangenheit restliche Strukturen im Gesundheits- und Sozialsystem etc. v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Kann man bei diesem Desaster als NGO noch von einer potentiellen Hilfe zur Selbsthilfe sprechen?<\/em><\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe arbeiten wir nach wie vor mit den Menschen da drau\u00dfen zusammen. Die Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Menschen ist sehr hoch. Denn je weiter wir uns in die Peripherie des Landes bewegen, desto st\u00e4rker f\u00e4llt uns auf, dass sich der Staat seiner Verantwortung entzieht. Was hei\u00dft: Die Gemeinschaften m\u00fcssen sich selbst organisieren und das tun sie auch! Und das ist das Ermutigende an unserer Arbeit. Die Verwaltung all unserer Gesundheitszentren beispielsweise wird von Dorfkomitees \u00fcbernommen \u2013 und so erbringen die Menschen Selbstverantwortung und Eigenleistung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>Seit 2011 arbeiten FFL und FAIRMED\u00a0 gemeinsam an einem Projekt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Ak\u00e1-Pygm\u00e4en in der Zentralafrikanischen Republik. Das Leben der Ak\u00e1s, der Ureinwohner, war bereits vor dem Rebellenaufstand v<strong>on starker Armut und Unterdr\u00fcckung gepr\u00e4gt.<\/strong>\u00a0Ak\u00e1s besitzen beschr\u00e4nkte B\u00fcrgerrechte und haben verminderten Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Wie geht es nun weiter f\u00fcr diese Menschen?<\/em><\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ak\u00e1-Pygm\u00e4en sind die Bewohner des tropischen Regenwaldes \u2013 diese Menschen waren fr\u00fcher J\u00e4ger und Sammler. Bis heute gilt der Urwald als ihr Lebens- und Ern\u00e4hrungsraum, dort bewegen sie sich, niemand kennt sich wie sie mit der Flora und Fauna im Regenwald aus. Daher wussten sich die Ak\u00e1-Pygm\u00e4en auch w\u00e4hrend der Auseinandersetzungen im Wald zu verstecken, um sich so vor Gewalt und Pl\u00fcnderungen zu sch\u00fctzen. Aber nat\u00fcrlich geh\u00f6ren sie zu den Verletzlichsten, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht, da sie nun mal auch den Belastungen und Risiken des Regenwaldes ausgeliefert sind, wie beispielsweise parasit\u00e4ren Krankheiten. Wenn sie sich in solchen F\u00e4llen nicht behandeln lassen k\u00f6nnen oder wenn eine schwangere Ak\u00e1-Frau im Notfall nicht zur Entbindung ins Spital kann, hat das fatale Konsequenzen. Wir haben jetzt versucht, unser bisheriges Entwicklungsprojekt zu nutzen, um auch die Ak\u00e1-Pygm\u00e4en mit der Nothilfe zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>Ihre Einsch\u00e4tzung zur Lage: Wird die Milit\u00e4rintervention aus Frankreich ausreichen,\u00a0 um die religi\u00f6s motivierte Gewalt bzw. das muslimische Rebellenb\u00fcndnis S\u00e9l\u00e9ka unter Kontrolle zu bringen?\u00a0<\/em><\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir hoffen nat\u00fcrlich alle, dass es mit vereinten Kr\u00e4ften gelingen kann \u2013 inklusive der Regierung. Ich meine, der jetzige Pr\u00e4sident war ja eigentlich selber Anf\u00fchrer der Rebellen-Allianz und der hat nat\u00fcrlich noch s\u00e4mtliche Kontakte und muss meines Erachtens jetzt auch gerade stehen und kooperieren. Wir hoffen alle, dass es gelingt, dieses Banditentum auf allen Seiten mit milit\u00e4rischer Pr\u00e4senz einzud\u00e4mmen. Man kann nicht einseitig irgendwelche Gruppen, sei es religi\u00f6se oder ethnische Gruppen, beschuldigen! Das ist ein Banditentum, das sich in einem staatlichen Machtvakuum entfalten konnte. Wir hoffen auch, dass die Mission der Franzosen zusammen mit den Afrikanischen Staaten, eine friedenserhaltende Mission zu Gange bringt, die uns die Arbeit erm\u00f6glicht. Das ist wichtig, dass wir humanit\u00e4re Organisationen arbeiten k\u00f6nnen, dass wir Zugang zu der Bev\u00f6lkerung haben, die uns brauchen \u2013 daf\u00fcr ist jetzt leider in der RCA das Milit\u00e4r n\u00f6tig. Allerdings: Es ist ein riesengro\u00dfes Land, d\u00fcnnbesiedelt, demnach war es vorher schon nicht m\u00f6glich, das ganze Land zu kontrollieren \u2013 dies wird auch den Franzosen und der Afrikanischen Union nicht m\u00f6glich sein. Man wird aber strategisch wichtige Punkte \u2013 Hauptstadt, Flughafen, gro\u00dfe Provinzst\u00e4dte \u2013 polizeilich bestimmt sichern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><strong><em>Sie sind diese Woche mit dem Ziel von Bern nach Luxemburg Stadt gereist, um die Projektarbeit FFL-FAIRMED weiter auszubauen. Ein Arbeitsmeeting der besonderen Art?<\/em><\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, f\u00fcr mich ist diese eine besondere Reise \u2013 denn die Zentralafrikanische Republik ist wirklich ein vergessener, schwarzer Fleck auf der Landkarte Afrikas. Es gibt sehr wenige NGOs, die sich f\u00fcr dieses Land und seine Geschichte interessieren. In der Zentralafrikanischen Republik leben vier Millionen Menschen in einem Machtvakuum \u2013 zudem ist es eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt. Ich finde es daher ein sch\u00f6nes Zeichen, dass sich FAIRMED und FFL zusammen tun, um diesem Land und der Bev\u00f6lkerung zu helfen. In den letzten drei Jahren haben wir dort gemeinsam Aufbauarbeit geleistet, um nun auch solidarisch in der Not beizustehen. Und ich freue mich darauf, mit der FFL weiterhin gemeinsam die Menschen sowohl in der Schweiz als auch in Luxemburg \u00fcber das Land und seine Not zu informieren \u2013 und gemeinsam Spenden zu sammeln, das wir wirksam f\u00fcr die notleidende Bev\u00f6lkerung einsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luxemburg, 20.12.2013 \u2013 Das Elend in der Zentralafrikanischen Republik entwickelt sich zu einem Ausnahmezustand. Die Bev\u00f6lkerung des krisengesch\u00fcttelten Landes ist erneut blutigen K\u00e4mpfen verfeindeter Rebellen ausgesetzt. 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